Andachten

 

 

30. November 2007:

Habakuk 3, Vers 8: Ich will mich freuen des Herrn und fröhlich sein in Gott, meinem Heil.

So ein schöner positiver Satz. Dieser Prophet Habakuk war mir sofort symphatisch, obwohl ich mich bis dato noch nicht mit ihm beschäftigt hatte.

Als Christ positiv durchs Leben zu gehen, das macht man doch gerne. Aber beim Nachdenken habe ich gleich gemerkt, das das so einfach nun auch wieder nicht ist. Wie sieht das eigentlich aus „Ich will mich freuen des Herrn und fröhlich sein in Gott, meinem Heil“. Wenn ich den Vers genau betrachte wird schnell klar, dass die Fröhlichkeit mit dem Heil zusammen hängt, das ich als Christ von Gott bekomme. Daraus folgt, wenn ich mir nicht darüber im Klaren bin, dass Gott mich befreit hat, er also mein Heil ist, kann ich mich auch nicht freuen. Er macht mich heil von meinen Gebrechen, auch von meinen Sünden. Er ist mein Heil-and. Er will mich gesund machen. Und wenn ich ihn lasse, werde ich gesund, erfahre ich Hilfe, werde ich geheilt.

Manchmal dauert das. Oder hat schon jemand gesehen, dass eine größere Wunde innerhalb kürzester Zeit heilt. Das dauert schon eine Weile bis man nichts mehr sieht und alles endgültig verheilt ist. Das Interessante an diesem Heilungsprozess ist, das wir selbst nicht viel dazu tun können. Wir können ihn lediglich Unterstützen. Und so ähnlich ist es ja mit Gott auch. Wir können unsere Sünden nicht selbst heilen, aber mithelfen, dass der Heilungsprozess gut verläuft. Durch Gebet, durch das Nachlesen, was Gott möchte und durch Gespräche mit anderen Christen etwa. So mancher kratzt sich immer wieder an seinen Wunden, bei wieder anderen gehen schon geheilt geglaubte Narben wieder auf. Und doch setzt der Heilungsprozess immer wieder ein.

Kranke Leute machen selten fröhliche Gesichter. Leute aber, die erlebt haben, wie sie gesund wurden oder das noch erleben, die freuen sich und haben Grund dazu. So ähnlich sollte es Christen eigentlich auch gehen. Aber wer von uns hat schon Lust, den ganzen Tag Hallelujah-rufend als christliches Frohgemüt durch die Welt zu laufen? Eine Zeitlang halte ich das sicher durch, nach einer Weile aber komme ich mir  ziemlich dämlich dabei vor und merke, das ich den anderen was vormache. Warum klappt es also nicht, das wir immer fröhlich sind aus unserem Glauben heraus?

Ganz einfach, weil wir noch nicht im Paradies sind. Wir sind noch im Heil-ungsprozess. Wir sind zwar erlöst, aber die Wunden müssen erst noch richtig geheilt werden. Und das kann dauern. Bei dem einen länger, bei der anderen kürzer.

 

 

15. Oktober 2007:

Matthäus 15, Vers 30: Es kam eine große Menge zu Jesus, die hatten bei sich Gelähmte, Verkrüppelte, Blinde, Stumme und viele andere Kranke und legten sie Jesus vor die Füße, und er heilte sie.

Dies ist einer der Ferse, die für mich fast unvorstellbar sind. Wie kann das geschehen sein, dass Kranke einfach so geheilt werden? O.K., Jesus ist ja bekanntlich alles zuzutrauen, was mich aber verunsichert, ist die Tatsache, dass auch Jünger fähig waren zu heilen, wie wir ja ebenfalls in der Bibel nachlesen können. Bin vielleicht auch ich dazu fähig? Als rational denkender Mensch kommt mir diese Sache doch ziemlich unheimlich vor.

Wozu gibt es denn Ärzte, sage ich mir. Die Heilungsmöglichkeiten sind nun einmal so weit, wie die Wissenschaft ist. Und doch muss da etwas dran sein. Immer wieder hört  man von unerklärlichen Wundern und den dazugehörigen Heilungen. Menschen, die todkrank waren und von den Ärzten schon verloren gegeben worden sind, werden plötzlich doch wieder gesund usw. Und jeder von uns hat in seinen Gemeinden auch schon erlebt, wie viel Gebet bewirken kann.

In Zusammenhang mit diesem Vers muss ich an eine Sache denken, von der mir eine Bekannte neulich berichtet hat: Sie hat aus Interesse einen Heilungsgottesdienst besucht und war absolut überzeugt von den Fähigkeiten des Predigers, der von Gott angeblich die Gabe der Heilung erhalten hatte. Durch den heiligen Geist, den er anrief, konnte dieser Heilungen durchführen, Menschen wurden gesund. Allerdings persönlich gesehen hat sie diese Heilungen nicht, sondern es wurde nur berichtet und man konnte zusehen und mitbeten. Wie soll man so etwas überprüfen, ob das nicht nur Scharlatanerie und Bauernfängerei ist? Ich persönlich traue hier Gott etwas mehr als den Menschen.

Ein einzelner Mensch, auch ein Prediger, kann sich leicht zu so etwas aufschwingen und sich mit so einer Sache auch interessant machen wollen oder schlimmeres. Aber woher wissen wir letztendlich, ob dieser Mensch nicht vielleicht doch direkte Botschaften bekommen hat? Wie gesagt, genau wissen wir es nicht, aber Menschen sind mir persönlich einfach zu anfällig für Habgier, Erfolgsdenken und Selbstdarstellung.

Da vertraue ich lieber auf Gott.

Ich glaube in der Tat, das Gott sehr viel bewirken kann, bei den Menschen habe ich da aber so meine Zweifel.

Gemeint sind in diesem Vers mit Sicherheit auch zwei Arten von Krankheiten: Einmal die Krankheiten des Körpers und ebenso die Krankheiten an denen jeder von uns leidet, wenn er mal kritisch in sich rein sieht oder hört. So mancher von uns fühlt sich hie und da wie gelähmt, er kann oder will irgendeine Sache einfach nicht sehen oder mancher bleibt viel zu oft stumm, obwohl er ja so viel zu sagen hätte. Wenn ich mir die täglichen Nachrichten ansehe, wird mir auch klar, wie verkrüppelt diese Welt oft ist. Aber Jesus will nicht nur unsere Gebrechen heilen, sondern uns auch dadurch zu ganzen Menschen machen. Ein Mensch kann erst dann vollständig werden, wenn er Jesus an sich arbeiten lässt. Wenn ich ihn nicht an mich heran lassen will, so wie die Kranken im Vers zu Jesus gekommen sind, habe ich eigentlich nicht die Möglichkeit, zu einem wirklich gesunden Menschen heranzureifen, das will uns wohl der Vers der gestrigen Tageslosung sagen.

Jesus will uns gesund machen, vielleicht weniger durch Menschen, die sich für tolle Ärzte in jeder Hinsicht halten, als vielmehr durch das Maß an Vertrauen, das wir ihm entgegen bringen.

 

 

5. September 2007:

1. Korinther 3, Vers 17: Der Tempel Gottes ist heilig, der seid ihr.

Diese Zusage aus dem Korintherbrief ist sowohl eine große Zusage an uns als auch eine Herausforderung. Eine Zusage deshalb, weil Gott uns als seinen Tempel, als seine an ihn glaubende Gemeinschaft heiligt. Wir stehen ganz offiziell unter seinem Schutz und seinem Heil. Auch wenn wir das nicht immer so empfinden. Und hier beginnt die Herausforderung. Im zugehörigen Absatz des Korintherbriefes steht es sogar noch herausfordernder: Wir sollen Gottes Werke tun, sollen gerade weil wir sein Tempel sind, weil er uns ausgewählt hat, darauf achten, das wir das richtige tun, nicht das falsche. Das sehe ich besonders in Bezug auf unsere wöchentliche Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen. Die Zusage gilt, wenn wir nach seinem Wort handeln, wird Jesus mit uns seinen Tempel bauen. Wenn nicht, dann aber auch nicht. Das hört sich im ersten Moment sehr einfach an und ist es eigentlich auch. Das im Alltag und in der Arbeit zu akzeptieren, ist immer wieder nicht einfach. Manche Dinge wollen einfach nicht gelingen oder ziehen sich ewig hin. Wir neigen dann dazu, recht schnell keinen Sinn mehr darin zu sehen. Beispiele kennt hier jeder genügend. Gott handelt und denkt eben wie Gott und nicht wie die Menschen. Er kennt besser die passenden Zeitpunkte als wir. Sich darauf zu verlassen und sich eben keine Sorgen zu machen, das ist die eigentliche Herausforderung an uns. Und diese Zuversicht wünsche ich uns allen. Der Tempel Gottes ist heilig, und das sind wir.

 

 

3. August 2007:

Hebräer 10, Vers 35: Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat.

Immer wieder merke ich, gerade in unserer Kopf- und Selbstgesteuerten Zeit, das es mit dem Vertrauen gar nicht so einfach ist. Wenn wir jung sind, sowohl im Glauben als auch als Menschen, haben wir meist großes Vertrauen in die Menschen und in Jesus. Mit der Zeit entwickeln sich da aber, bedingt durch stetige Anfechtungen, einige Ängste, die uns den Alltag und auch das Glaubensleben erschweren. Da werden Gebetserhörungen dringend benötigt, erfolgen aber nicht oder viel später als gedacht oder notwendig. Da vertraut man anderen Menschen und wird enttäuscht. Daraus erwachsen Unsicherheiten. Man vertraut lieber sich selbst und der eigenen Kraft als anderen oder Jesus Christus. Mir fällt dazu ein Wort des Psychologen Peter Lauster ein: „Wirkliches Leben bedeutet das Risiko einzugehen von anderen verletzt zu werden“. Man könnte auch sagen „von anderen enttäuscht zu werden“. Ich merke an mir selbst, wie schwierig es ist, einmal zerstörtes oder gestörtes Vertrauen wieder aufzurichten. Ich kann mich an ein Gespräch mit einem Mann erinnern, der sagte, seitdem seine Frau auf schmerzerfüllte Art und Weise an Krebs gestorben sei, könne er nicht mehr an Gott glauben. Sein Vertrauen war erloschen, wobei ich auch den Eindruck hatte, dass seine Beziehung zu Gott vorher auch nicht gerade eine sonderlich lebendige zu sein schien. Und das scheint mir der Knackpunkt zu sein. Wenn ich mich darauf einlasse und Gott und meinen Mitmenschen vertraue, können Beziehungen wachsen und so Sicherheiten im Miteinander entstehen oder wieder hervor geholt werden, die schon zerstört schienen. Im ersten Moment ist da natürlich Überwindung angesagt. Vielleicht auch eine ganze Zeit lang. Aber Gott sagt uns im Vers zu, dass wir unser Vertrauen nicht wegwerfen sollen, ja sogar, das wir dafür belohnt werden, wenn wir das nicht tun. Diese Belohnung ist für mich auch real erkennbar. Es hat offensichtliche Vorteile nicht ständig mit Misstrauen seinen Mitmenschen gegenüber herum zu laufen. Das soll natürlich nicht bedeuten, dass ich hier zur Blauäugigkeit aufrufen will, und ein gesundes Misstrauen kann auch nützlich und manchmal lebenswichtig sein. Aber eben ein gesundes und kein ungesundes. Man wird letztendlich ernten, was man sät. Vertraue ich niemanden, kann ich auch nicht erwarten, das sich die anderen besonders freundlich und Entgegenkommend mir gegenüber Verhalten.

Habe ich kein Vertrauen zu Gott, kann ich nicht erwarten, dass meine Gottesbeziehung die ersten größeren Schwierigkeiten übersteht.

In diesem Sinne wünsche ich uns in nächster Zeit einen Vertrauenszugewinn, für jeden von uns hier, in seiner persönlichen Gottesbeziehung und in der Beziehung unseren Mitmenschen gegenüber. Wir werden unsere Belohnung erhalten.

 

 

5. Juli 2007:

Markus 13, Vers 37: Jesus spricht: Was ich aber euch sage, das sage ich allen: Wachet!

Dieses warnende Wort von Jesus erscheint uns heute wohl recht unrealistisch, zumindest geht es mir so. „Niemand weiß, wann das Ende kommen wird, weder die Engel  im Himmel noch der Sohn Gottes. Die genaue Stunde kennt nur der Vater. Darum werdet nicht nachlässig und wachet! Denn ihr wisst nicht, wann es soweit ist.“ steht in den Versen 32 und 33 geschrieben. In der Tat ist das rein logisch betrachtet natürlich völlig richtig. Da niemand weiß, wann Jesus wieder kommt, kann es natürlich jederzeit geschehen. Auch wenn mir die Wahrscheinlichkeitsrechnung etwas anderes sagt: 2000 Jahre lang ist nichts passiert, warum sollte Jesus nun gerade wieder kommen? Da kommen einem schon Zweifel. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich 80 Jahre alt werde und dann eines natürlichen Todes sterbe ist wesentlich höher, als die Wahrscheinlichkeit, dass Jesus in dieser Zeit wieder kommt. Aber kaum denke ich das, schon fällt mir ein, was Glaube eigentlich ist und bedeutet. Wir glauben ja auch an Jesus, obwohl er hier nicht real zu sehen ist. Aber wir haben Gewissheit. Gewissheit aus unseren Erfahrungen, unseren Glaubenserfahrungen. Wir erleben Jesus und bekommen mit, wie er wirkt, obwohl wir ihn nicht direkt vor Augen haben. Glaube hat also etwas mit Erfahrungen zu tun hat. Und daraus entsteht dann die Gewissheit. Wir Menschen vertrauen also auf unsere Erfahrungen. Das scheint mir im Zusammenhang mit der Tageslosung auch genau das Problem zu sein. Jesus ist in den letzten 2000 Jahren nicht wieder gekommen oder hat sich irgendwie gezeigt, wir haben keine Erfahrung damit, also leben wir eher nach der Wahrscheinlichkeit, dass er in diesem unserem Leben nicht wiederkommt und sorgen entsprechend dafür. Dagegen ist ja auch grundsätzlich auch gar nichts einzuwenden, schließlich sollen wir ja mit dem was wir haben, auch Gott dienen. Interessant finde ich aber, mal zu überlegen, was passieren würde, wenn wir mehr aus Naherwartung heraus leben würden, so wie es die ersten Christen damals getan haben. Sie waren sich sicher, dass Jesus bald wiederkommt, also haben sie ihre Äcker und alles was sie hatten, verkauft und den Armen gegeben, haben nur noch für das gesorgt, was direkt nötig war, was sie also zum Leben und Glaubensleben benötigten. Jetzt könnte man natürlich sagen: „Ätsch, reingefallen. Jesus kommt sowieso nicht wieder, das war doch alles ganz anders gemeint. Man soll darauf achten, das man genug gute Werke tut und so handelt, das es Jesus gefällt und wie er es uns vorschreibt.“ Schön und gut, dagegen ist auch nicht viel zu sagen und ich wollte, viel mehr Menschen würden das tun, aber ich finde den Gedanken interessant, mal davon zu träumen, was passieren würde, ja was sich im Leben von jedem von uns ereignen würde, was wir tun würden, wenn wir genau wüssten, das Jesus z.B. Ende des Jahres wiederkommt. Das will ich jetzt auch gar nicht genauer ausführen, sondern uns einfach dazu ermuntern, mal darüber nach zu denken. Ich bin der festen Überzeugung, dass das unser christliches Leben bereichern kann.

 

 

13. Juni 2007:

Lukas 10, Vers 16: Jesus Christus spricht zu seinen Jüngern: Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich.

Ein sehr eindeutiges Wort von Jesus. Schön finde ich die Klarheit, mit der Jesus seine Aussage trifft. Da gibt es kein vielleicht, kein wenn und aber. In solchen Momenten spüre ich beim Lesen der Bibel, das Jesus wirklich Herr ist. Ich denke, das soll auch durch diesen Text zum Ausdruck kommen.

Was bedeutet das für uns heute? Eigentlich nur gutes. Uns geht es viel besser als den Christen vor 2000 Jahren. Sie wurden verfolgt und oftmals mit dem Leben bedroht. Sie wurden beschimpft und mit Steinen beworfen. Uns drohen heute, zumindest hier in Deutschland, allenfalls faule Eier oder dumme Sprüche.

Für jemanden, der gerade seine Beulen am Kopf zählt und sie verbindet, muss es ein starker Trost gewesen sein, diese Worte zu lesen. Wer euch hört, der hört mich. Und wer euch verachtet, der verachtet mich. Das ermutigt auch verletzte Menschen zum Weiter machen. Der heilige Geist ist dabei. Auch unter Steinewerfern bleibt der Mutige nicht allein.

So mancher mag sich vielleicht fragen, wie das gehen soll, das, wer einen von uns hier über Jesus reden hört, gleichzeitig auch Jesus selbst hört. Jesus hat uns versprochen, immer bei uns zu sein, ja in den entscheidenden Situationen uns sogar die rechten Worte ein zu geben. Ich habe das selbst schon erlebt und es fühlt sich richtig gut an. Wenn man auf der Straße oder am Arbeitsplatz Menschen anspricht, wird man von Gott geführt. Auch wenn ich es mir nicht zu traue. Und manchmal ist sogar stumm bleiben oder etwas nicht zu wissen sehr hilfreich. So sind wir authentischer. Nicht jeder Christ muss ein super Pfarrer sein, der auf alles eine Antwort hat. Das würde uns auch niemand abnehmen. Aber jeder kann in einer sich bietenden Situation in seinen eigenen, und andere Worte sollen wir auch gar nicht benutzen, etwas dazu sagen, was Jesus für ihn bedeutet.

 

 

1. Juni 2007:

Johannes 12, Vers 32: Jesus Christus sagt: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.

„Wenn ich erhöht werde von der Erde“, ein sehr interessantes und zukunftweisendes Wort von Jesus aus dem Johannesevangelium. Im entsprechenden Kapitel spricht Jesus mit den Jüngern darüber, wie er sterben wird. Natürlich verstehen die Jünger erstmal gar nichts, denn es ist zu diesem Zeitpunkt ja noch weit weg und kaum zu glauben. So ähnlich scheint’s uns heute ab und an auch noch zu gehen, finde ich. So gibt es für diese Stelle nämlich mindestens zwei Auslegungen. Einmal die ganz direkte, in dem die Erhöhung nach seiner Auferstehung gemeint ist. Jesus geht zurück zu Gott, seinem Vater, von dem er gekommen ist. Alle, die an ihn glauben, werden ihm nicht nur im Leben, sondern auch im Tod an die Seite Gottes nachfolgen. Sie werden hinterher gezogen.

Die andere Auslegung ist eigentlich nicht wirklich anders, sondern beleuchtet die Sache nur anders. Sie interpretiert Erhöhung auch mit der Erhöhung von der Erde ans Kreuz. In dem Moment, in dem Jesus am Kreuz fest gemacht und aufgestellt wird, beginnt schon die Erhöhung, er verlässt den Erdboden. Er blickt vom Berg Golgatha hinunter auf die Welt, hat sich für sie Menschen ans Kreuz hängen lassen und obwohl in seine Peiniger los werden wollten, schaut er sie nun von diesem erhöhten Punkt gerade an und zeigt ihnen seinen Sieg, indem er im wahrsten Sinne des Wortes auf sie herab schaut. Aber nicht in Überheblichkeit, sondern im Schmerz, im Schmerz und im konsequenten Aushalten für diese Welt.

Dieser Anblick müsste alle seine Kritiker und Peiniger eigentlich vor Scham erschauern lassen. Aber wie die Jünger zum früheren Zeitpunkt, womit sich die Jünger stark von den anderen Menschen unterscheiden, verstehen viele von ihnen auch in dieser Stunde nichts oder nur wenig von der Erlösungstat Jesu für die Menschen. Auch unter dem Kreuz finden sich mehr Spötter und oberflächliche Menschen als Erkenner. Das soll uns im heutigen Leben als Christen trösten, das schlägt eine Brücke von über 2000 Jahren von der damaligen in die heutige Zeit und in mein Leben hinein.

Auch heute haben wir um uns unverständige Menschen und Spötter oder Menschen, die sich nicht trauen, ihre Oberflächlichkeit auf zu geben und mal tiefer über sich und ihr Leben nach zu denken. Die Erkenntnis, dass sich zwar seit 2000 Jahren die Lebensumstände, aber nicht die Menschen selber geändert haben, kann dabei eine wichtige Erkenntnis für uns sein und uns Mut machen, wie damals mit Jesus ans Werk und zu den Menschen in unserer Umgebung zu gehen.

 

 

15. Mai 2007:

Matthäus 7, Verse 7-11: Redet mit Gott und bittet ihn um Sachen, es funktioniert! Versucht alle Register zu ziehen, macht euch auf die Socken, dann wird sich eine Lösung ergeben! Wenn einer Gott um etwas bittet, dann wird er es auch bekommen. Wenn jemand etwas sucht, dann wird er es auch finden. Und wenn jemand eine Frage hat, dann wird er auch seine Antwort bekommen. (Volxbibel)

Anhand dieser Verse hatten wir letzte Woche in der Jungschar das Thema „Beten hilft“. Natürlich haben wir auch die Jungscharler gefragt, wie oft sie denn beten würden. Die meisten sagten: „Einmal die Woche in der Jungschar“. Insgesamt kamen die Antworten auch eher verhalten und lauteten bei der Frage nach dem „Warum“ etwa so wie: „Das bringt doch nichts“ „Der Gott ist doch gar nicht richtig da“ oder „Ich habe schon gebetet, kriege aber keine Antwort, so wie ich mir das vorstelle“ Aber  keiner der Jungscharler sagte „Ich weiß nicht was ich beten soll“ oder ähnliches. Denn Themen haben sie, wie wir als Leiter jeden Mittwoch wieder merken, zum Beten genug. Offensichtlich haben die Kinder also den Eindruck, das Beten gar nichts oder nur wenig „Bringt“. Mit Erstaunen reagierten sie als wir erzählten, das wir als Leiter jeden Tag beten würden und das wir sogar Leute kennen würden, die mehrmals am Tag beteten. „Warum denn das, ihr kriegt doch sowieso keine Antwort“ kam daraufhin der Kommentar eines Jungscharlers. „Aber in der Bibel steht doch, so wie wir eben gelesen haben, das Gott uns hilft und uns beisteht und unsere Bitten und Gebete erhört“ war meine Antwort darauf. Daraufhin betretenes Schweigen oder lang gezogene „Mmmm“’s „Was meint ihr, warum wir jeden Tag beten“, dann die nächste Frage von uns. „Weil ihr es so gewöhnt seid“ lautete die Antwort. „Vielleicht, weil wir ein persönliche Beziehung zu Gott haben wollen“ sagte eine Leiterin. Jetzt wurde es schwierig: Eine persönliche Beziehung zu Gott, wie geht denn das. „Das bedeutet, das wir nicht nur einmal die Woche in der Jungschar oder im Gottesdienst mit Gott reden wollen, sondern viel öfter. Wir möchten das wir mit Gott befreundet sind und er mit uns.“ „Wie oft ruft ihr am Tag eure Freund oder Freundin an?“ Breites Grinsen bei den Kids: Die meisten riefen mindestens einmal am Tag einen Freund oder eine Freundin an, die Mädels sogar öfter. „Und, passiert da was?“ lautete unsere Frage. „Na klaro, man kann sich unterhalten, sich die neuesten Sachen erzählen, seine Sorgen besprechen usw.“ lautete die einhellige Antwort der Jungscharler. Und warum sollte das nicht auch mit Gott geschehen? Wenn ich mich so selbst betrachte, merke ich, wie ich selbst auch immer wieder daran zweifele, ob meine Gebete erhört werden und wie ich am besten herausfinden kann, wie, wann und ob Gott antwortet. Die schwierige Situation hier im Kreisverband macht solches Vertrauen nicht einfacher. Bekannte von mir, die ein kleines Kind mit großen gesundheitlichen Problemen haben, schrieben mir kürzlich: „Gott schreibt auch auf krummen Wegen gerade“. Wenn ich ehrlich bin, kommen mir meine eigenen Wege auch oft ziemlich krumm vor und es gelingt mir nur schwer in meiner Arbeit einen geraden Weg oder roten Faden zu sehen, sozusagen etwas Eindeutiges. Aber vielleicht ist ja genau das die Herausforderung. Wie wir in der Bibel gelesen haben, steht uns Gott ja bei und erhört unsere Gebete. Wir haben die eindeutige Zusage von ihm. Wir könnten ja dieses Jahr von etwas anderem Fasten als von Schokolade oder vom fernsehen: Nämlich vom „Sorgen machen“, wie ich neulich in einer Predigt hörte. Das bedeutet nicht, tatenlos herumzusitzen. Es bedeutet im Vertrauen auf Gott seine Arbeit zu verrichten. Und es bedeutet, im Vertrauen auf Antworten zu beten. Auch wenn diese manchmal anders ausfallen, als wir es erwarten.

 

 

1. Mai 2007:

2. Korinther 5, Vers 17: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

Diesen Vers habe ich neulich einem Arbeitskollegen in der Mittagspause vorgelesen und ihn gefragt, was er davon hält. Er schaute mich etwas eigenartig an und strengte sich recht, an seiner Mimik erkenntlich, an, ihn für sich in seine Worte zu fassen. „Mmmh“ war seine erste Antwort. „Tja“, sagte er, „es wird ja ständig etwas neu. Gerade jetzt im Frühling. Die Bäume kriegen Blätter, die Blumen sprießen, die Tiere kriegen Junge und bei den Menschen sieht das, würde ich sagen, auch nicht so viel anders aus. Aber was das jetzt alles mit Jesus zu tun hat, mmh, das weiß ich jetzt auch nicht so recht.“ Er grinste mich in Erwartung einer Antwort oder Erklärung vermischt mit leichter Unsicherheit an.

Daraufhin las ich ihm den Vers noch einmal vor. „Ach so“, sagte er. Doch an seinen Oberkörperbewegungen konnte man deutlich sehen, dass er sich doch seiner Sache nicht so sicher war. „Ein Mensch wird also sozusagen ein neuer Mensch, eine neue Kreatur, wenn er in Jesus Christus……ääähm…nee“.

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich mir ein leichtes Grinsen nur mit Mühe verkneifen konnte, denn mein Arbeitskollege konnte trotz seiner nicht geringen Bemühung nicht verstehen, um was es hier eigentlich geht. Er tat mir auch etwas leid, das er trotz seiner durchaus vorhandenen Intelligenz und seiner Verstehensbemühungen nicht weiter gekommen war. Auf das weitere Gespräch und meine Erklärungen will ich nun gar nicht vorrangig hinaus. Aber ich finde seine Reaktion für jemanden, der nur selten in der Bibel liest oder einen Gottesdienst besucht, nicht ungewöhnlich.

Wie soll man auch verstehen, wie man „in“ Christus sein kann und was das zu bedeuten hat. Für mich bedeutet es, eine lebendige Beziehung mit Jesus Christus zu haben. Auch das ist für viele noch unvorstellbar. Wie soll das gehen? Wie kann man zu einem toten eine lebendige Beziehung haben? „Eben“, sagte ich zu meinem Kollegen, „weil er nicht tot ist. Man kann sich mit ihm unterhalten, im Gebet, man kann ihn mit ins Leben hinein nehmen und sich fragen, was Jesus anhand der Geschichten über ihn in der Bibel, in der oder der Situation tun würde und danach handeln. Man kann sogar so weit gehen und sich vorstellen, dass Jesus immer bei einem ist und mit einem durch den Tag geht. Manche Leute gehen da richtig weit und sind da sehr inspirativ.“ Interessanterweise hatte mein Kollege das Wort „Inspirativ“ sofort verstanden und wusste auch etwas damit an zu fangen. Den das ist relativ modern und in Zeitschriften wie Focus oder Stern zu lesen.

Dann las ich ihm den Vers noch mal in etwas anderen Worten vor:

„Hat jemand eine lebendige Beziehung zu Jesus Christus, so ist er ein neuer Mensch geworden. Das alte Leben ist Vergangenheit, Schau hin, Neues Leben ist entstanden.“

Aaaah“, sagte er, „das kann man schon besser verstehen. So, jetzt muss ich aber noch mal in die Stadt“.

Der Vers war also auch nach meiner Verdeutlichung in moderner Sprache nicht unbedingt so spannend geworden, dass ihm alle Lichter schlagartig aufgegangen waren. Egal wie wir es drehen und wenden, egal ob wir uns für die Luther-, die Einheitsübersetzung oder die Volxbibel entscheiden, wir kommen nicht darum herum, das Wort Gottes für uns und die Menschen in unserer Umgebung zu interpretieren.

Darum finde ich es oft zu wenig, wenn in kirchlichen Schaukästen aus Themenmangel manchmal nur ein Bibelzitat mit Stellenangabe zu lesen ist. Eigentlich müsste in unserer heutigen Zeit die Telefonnummer des Pfarrers für Rückfragen darunter stehen.

Darum bin ich froh, dass wir in einer Gemeinschaft zusammen sind, die sich um Antworten und gute biblische Interpretationen bemüht, ja manchmal sogar darum ringt und betet. Uns sind die Menschen unserer Umgebung nicht gleichgültig, sondern wir suchen Kontakt und Beziehung zu ihnen. Das ist in unserer heutigen Zeit wahrlich ungewöhnlich.

 

 

1. Februar 2007:

Jesus ist ein Gentleman

DingDong ... die Haustürklingel schallt durch alle Räume der neuen Wohnung.

„Oh, sie sind da“ denke ich mir noch und renne runter, um meine Gäste zu begrüßen. Den ganzen Tag hab ich aufgeräumt, gesaugt und staubgewischt.

Es sah ziemlich chaotisch aus in der neuen Wohnung und ich habe nicht wirklich alle Räume geschafft. Wenn ich nur denke wie es im Keller, auf dem Speicher und im Büro aussieht ... Räume, in den man keine Gäste lassen kann. Was sollen die auch von mir denken?

Und nun, nun stehen sie vor der Tür, wir trinken Kaffe, machen es uns gemütlich und dann die Frage: „Zeigst du uns deine Wohnung?“

„Ja, natürlich“, antworte ich und lasse sie ins Bad, in die Küche ... Speicher, Keller und Büro erspare ich ihnen, das wäre mir entschieden zu peinlich.

Doch Gäste, die länger bleiben, fragen dann auch irgendwann nach den Zimmern hinter de verschlossenen Türen. Gäste, die mir nah stehen, haben nicht nur ein Anrecht auf die sauberen und aufgeräumten Räume, sondern auf ... die Wahrheit, also auf die Ordnung und das Chaos.

Mit meinem Leben und Jesus ist es so ähnlich.

Auch da habe ich Bereiche, in die ich ihn nicht reinlasse. Wie einen Gast, der nur die sauberen, aufgeräumten Zimmer zu sehen bekommt.

Doch je länger er da ist, desto mehr möchte er sehen, zu umso mehr Zimmern möchte er den Zutritt. Auch in die, die völlig chaotisch aussehen, die vielleicht Ding beherbergen, die mir peinlich sind, die ich an mir selbst nicht leiden kann, die mir „zu privat“ sind.

Und Jesus? Jesus ist ein Gentleman, er klopft an und fragt, ob er reinkommen darf ... und wenn nicht, dann wartet er, bis ich ihn hineinbitte ... er zwingt niemanden, aber, wie ein Gast, der alle Zimmer in einer Wohnung sehen möchte, möchte auch er gern in alle Bereiche meines Lebens.

Aber letzten Endes ist es eure Entscheidung, in welche Räume ihr Jesus lasst!

Doch wie geht so was eigentlich? Und was ist mit „reinlassen“ gemeint?

Es bedeutet, dass man Bereiche seines Lebens von Jesus bestimmen lässt. Man fragt sich: “Würde Jesus das auch tun?“

Es bedeutet auch, sich Dingen zu stellen, die einem peinlich sind. Zu sagen: „Ich weiß davon und Jesus weiß es“ macht das Leben leichter. Wenn man Erfahrungen teilt, wird das Leben besser.

Aber wie gesagt, es ist eure Entscheidung, ob ihr ihn überhaupt reinlasst oder in welche Bereiche eures Lebens er Einfluss nehmen darf.

 

 

15. November 2006:

Johannes 14, Vers 6: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben, keiner kommt zum Vater denn durch mich.

 

Eins der berühmten „Ich bin-Worte“ im Johannesevangelium. Jesus stellt dar, wer er war, für seine Jünger, für die Menschen allgemein und für die Welt. So ist es auch hier. Doch was bedeutet dieser Vers 6 nun genauer: Die Wirkung dieses Verses auf mich ist im ersten Moment beängstigend. Kann denn niemand zu Gott gelangen, außer durch Jesus Christus? Jesus gibt eine eindeutige Antwort: Nein. Darüber freut sich jeder Hardliner und frohlockt. Doch meiner Meinung nach kann man diese Eindeutigkeit bei genauerem Hinsehen auch anders bewerten. Keiner kommt zum Vater denn durch mich, das setzt voraus, dass dies auch jemand will. Damit meine ich, die „Ich bin-Worte“ sind meiner Meinung nach eindeutig für Menschen geschrieben, die tatsächlich Interesse daran haben, wie man zu Gott gelangen kann. Wer nicht will, muss auch nicht. Mittelalterliche Zwangsmissionierung zum Beispiel wird hier also indirekt verurteilt. Aber das ist nur ein Nebenaspekt.

Ich bin der Weg. Welcher Weg ist hier gemeint? Bin ich auf dem richtigen Weg? Gibt es nicht unterschiedliche Wege, die zum gleichen Ziel führen können? Die mag es durchaus geben, aber nur, wenn sie auch das gleiche Ziel anvisieren, denn Jesus sagt ganz deutlich „zum Vater“, also zu Gott. Dahin muss es schon gehen, das ist die Voraussetzung. Wer sich auf den Weg macht, für den kann Jesus zum Weg werden, ja, möchte er zum Weg werden. Wie sieht dieser Weg zu Gott aus, den uns Jesus aufzeigen will? Der Weg zu Gott führt über Jesus selbst. Wenn wir uns so verhalten, wie Jesus es uns vorgelebt hat und es in der Bibel in den Evangelien beschrieben ist, wenn wir ihm nachfolgen, ihm ähnlicher werden, kommen wir auf diesem Weg voran. Und Jesus wird uns dabei helfen, auf diesem Weg zu bleiben und die Richtung einzuhalten. Das für mich persönlich schönste dabei ist, dass es nicht einen haargenau vorgegebenen Weg gibt, sondern einen jeweils persönlichen. Ganz persönlich darf ich meinen Weg zu Gott mit Jesus gehen, ganz persönlich wird er mich begleiten.

Ich bin die Wahrheit. Welche Wahrheit ist hier gemeint? Meiner Meinung nach die Wahrheit, die von Gott kommt und von Gott ausgeht. Jesus sagt, Ich bin die Wahrheit. Nur durch Jesus kann man also die wirkliche Wahrheit Gottes erkennen. Wer Jesus nicht nachfolgt, ihm nicht ähnlicher werden will, kann auch nicht erkennen, wer Gott wirklich ist. Wer es tut, wird zu einer größeren Wahrheit finden, als die individuell eingeschränkte Wahrheit zu der wir als einzelne fähig sind. Das setzt mein Leben in eine größere Perspektive, ich kann über den eigenen Tellerrand meines beschränkten Individuums hinaus blicken.

Ich bin das Leben. Welches Leben ist hier gemeint? Gibt es überhaupt echtes Leben? Was ist das eigentlich? Neulich las ich auf einem Schild: Suchst du noch oder lebst du schon? Natürlich, leben tut jeder, aber das kann auch jede Schildkröte. Manchmal habe ich heute den Eindruck, wir Menschen sollen zu besseren Schildkröten reduziert werden und so mancher verhält sich ja auch schon so. Aber macht Instinktreduzierung uns Menschen aufrechter? Soll das wirkliches Leben sein? Jesus zeigt hier eine deutliche Alternative auf. Er sagt, ich bin das Leben, wirkliches Leben gibt es nur bei mir und durch mich.

Der Weg zum Vater wird also ins wirkliche Leben hinein führen. Wenn ich mit Jesus auf meinem Lebensweg gehe, erlebe ich folglich wirkliches Leben. Auch hier gilt es wieder, sich aufzumachen, um wirkliches Leben zu erleben. Wer sich nicht aufmacht, bleibt hängen, wird ewig um sich selber kreisen und seine eigenen Versuche, wirkliches Leben zu erleben.

Zusammenfassend kann man in einem Satz sagen: Wer sich aufmacht auf einen Weg zu Gott, wird aus seiner eigenen Selbstbeschränkung herausfinden und echtes Leben kennen lernen durch das Nachmachen dessen, was Jesus Christus selbst uns vorgelebt hat.

 

 

9. November 2006:

Matthäus 11, Verse 28 - 30: Kommt alle zu mir, ihr alle, die ihr euch plagt und von eurer Last fast erdrückt werdet; ich werde sie euch abnehmen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, denn ich bin gütig und von Herzen demütig. So werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.

 

Oftmals wird die Sache mit dem „nehmt mein Joch auf euch“ wohl falsch verstanden. Das Joch steht für Sklaverei und Unterdrückung, wenn man mit Jesus lebt, muss man einiges erleiden und hinnehmen, so die oft verbreitete landläufige Meinung, die aus diesen Versen entstammt. Man kann auch ein anderes Bild entwerfen:

Man spannt also zwei Ochsen links und rechts vor einen Pflug, diese kommen in ein Joch, so dass sie gleichmäßig ziehen. Damit aber nicht genug. Es genügt keinesfalls, einfach irgendwelche Ochsen einzuspannen, sondern man braucht immer mindestens einen erfahrenen Ochsen. Zumeist wird es so gemacht, das ein erfahrener Ochse eingespannt wird, der dann einen unerfahrenen auf der anderen Seite anlernt, nach einiger Zeit ist dieser erfahren genug um wieder einen anderen anzuleiten usw. Jesus will also mit dem Bild aus diesen Versen auch sagen, das er der Erfahrene ist, der uns anlernen kann und will. Wenn wir ihm vertrauen und uns von ihm anlernen lassen, werden wir ihm immer ähnlicher werden und richtiges Leben haben bzw. das Leben richtig leben können.

 

 

1. November 2006:

Micha 6, Vers 8: Es dir gesagt, Mensch, was gut ist und was dein Gott von dir fordert: Nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.

 

Wenn wir wissen wollen, was gut ist und wie wir mit den verschiedensten, auch für uns ganz schwierigen, Situationen zu recht kommen können, brauchen wir eigentlich gar nicht lange darüber nachdenken, sondern nur auf Gott und sein Wort hören. Ja, der Vers geht sogar noch weiter. Er sagt uns unmissverständlich, dass uns Christen diese Dinge nicht freigestellt nicht, sondern dass Gott von uns fordert, dass wir nach seinem Wort handeln sollen.

Wenn wir das tatsächlich tun und uns darüber Gedanken machen, wie Gottes Wort in die heutige Zeit und auf die heutigen Menschen übertragen werden kann, hat das vermutlich auch ganz viel mit der im Vers beschriebenen Demut vor Gott zu tun.

Aber wir sollen nicht einfach verbissen und gesetzlich Gottes Wort halten, sondern auch Liebe üben. Ein genauerer Personenkreis wird hier nicht genannt, gemeint ist also nicht nur die christliche Gemeinde und unsere Freunde, sondern alle Menschen. Auch die, die wir nicht mögen.

Wenn ich diese Punkte zusammen fasse und auf mich selbst beziehe, wäre es demnach falsch an so etwas wie Rache oder ähnliche Gefühle zu denken, wenn mich jemand verletzt, sondern trotzdem Liebe zu üben, allerdings immer unter der Oberprämisse, unserem Herrn Jesus Christus zu dienen.

Ein Bekannter von mir pflegt immer zu sagen: „Was hat Jesus Christus davon?“ Das ist vielleicht die essentielle Frage, die wir uns besonders in Situationen vor Augen halten sollten, in denen wir angegriffen werden und unsere Reaktion auf diese Frage hin bedenken. Das mag nicht immer ganz einfach sein, jedoch trägt es wirkungsvoll dazu bei, nicht eigene Wege einzuschlagen, sondern auch in schwierigsten Situationen bei Gott und Jesus Christus zu bleiben.

 

 

19. Oktober 2006:

Jesaja 42: Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und denn glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.

 

Der Vers ist ja recht bekannt. Gott lässt uns nicht fallen wie eine heiße Kartoffel, wenn wir auch mal keine oder weniger Leistung bringen können. Auch die Erklärung dieses Satzes ist zumeist wohl bekannt. Das schöne am Reich Gottes ist ja, das es eigentlich gar nicht um Leistung geht, sondern um die Annahme der Geschenke, die Gott uns zukommen lassen möchte. Aus diesen Geschenken entstehen dann wieder neue Werke, die einen nicht unter Leistungsdruck setzen sollen, sondern die man mit Freude und in beinahe schon anbetender Haltung ausführen soll. So entgeht man auch der billigen Gnade, die nur annimmt, ohne hernach Frucht zu bringen. So weit kennen wir das ja schon alles, darum soll es mir heute um etwas anderes gehen:

Manchmal fügen auch andere Christen unserem Rohr einen Knick zu oder pusten unser Feuer beinahe aus. Durch schlechte Stimmungen, durch Streit oder Eifersucht. Leider kennt auch das jeder von uns. Was hattet ihr bisher für Methoden entwickelt, wenn ihr auf jemanden so richtig sauer wart und darüber die Arbeit am liebsten hin geschmissen hättet?....................

Ich habe oft wochenlang, manchmal monatelang herum gehadert ohne eine wirklich konstruktive Lösung zu finden. Dabei sind die Menschen, mit denen wir Streit haben oder wo ein böses Wort gefallen ist, oft auch Menschen, mit denen wir oft und auch schon lange zu tun haben. Man hat also schon einiges an gemeinsamem Weg zurückgelegt. Oft auch schönem Weg. Aber in Momenten des Streits vergisst man das alles. Man sieht nur noch den bösen vor sich, fühlt sich angegriffen wie ein gebissener Hund und beißt auch zurück. Mir hat in einer konkreten Situation jetzt wirklich geholfen, dass ich mich an die schönen Momente mit einer Person erinnert habe, die mich zwar verletzt hat, aber das war nicht immer so. Das gute dem bösen vorziehen heißt vielleicht genau das. Das böse nicht überhand nehmen lassen, sondern das gute durch durchaus eigene Entscheidung trotz der Verletzung überwiegen lassen, wahrscheinlich auch. So bleibt zwischenmenschliche Liebe erhalten und muss nicht kaputt gehen an Dingen, die eigentlich viel kleiner sind, als das schöne, was wir vorher mit diesen Menschen erlebt haben.

 

 

11. Okt. 2006:

1.Petrus 5, Vers 7: All eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch.

 

In so mancher Situation ist es immer gut, wenn man seine Sorgen abladen kann und nicht alles selber schleppen muss. Das kann sich auf verschiedene Art und Weise äußern. Sicher haben auch Menschen, die keine Christen sind, gute Freunde für schwierige Situationen. Ich bin jedoch der Meinung, und erlebe das auch immer wieder, dass die Zugehörigkeit zu einer christlichen Gemeinde oder Gemeinschaft mehr zu bieten hat. Konkretes füreinander da sein ist ja auch ein Auftrag für uns. So zeigt sich auch Jesus in unserer Mitte und das wirkt attraktiv für Außenstehende.

Aber selbst wenn gerade mal niemand zur Verfügung steht, so haben wir doch einen, der uns Halt und Zuhörer im Leben sein will. Wenn wir uns an ihn wenden, können wir im Gebet Sorgen abgeben, kann ich mich erleichtern und mir sicher sein, das Gott mit meinen Sorgen etwas machen wird. Ich darf mir sicher sein, das er mich nicht im Regen stehen lässt. Das finde ich eine sehr erstaunliche Zusage, die ich so auch immer wieder erlebe, mal auf die eine, mal auf die andere Art und Weise.

So kann man wirklich sagen: Es lohnt sich, mit Gott zu leben!